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2022: Projekt Hühner

5 Hühner halten Einzug in unsere Kita – ein Projekt für alle Kinder der „Sonnenblume“

Dank der Idee unseres Fördervereins „Sterntaler“, einmal für ein paar Wochen Hühner in der Kita zu halten, konnten wir im Mai ein spannendes Projekt mit den Kindern gestalten.

Bevor die Hühner ankamen, haben wir uns mit den Kindern 2 Wochen intensiv mit dem Thema „Hühner“ befasst, um uns gemeinsam gut vorzubereiten und uns auf die Tiere einzustellen. Voraussetzung dafür war, dass sich alle Mitarbeiterinnen gut in die Thematik eingearbeitet haben. Denn es war auch für die meisten von uns Neuland, Hühner zu haben und für diese verantwortlich zu sein.

Als Einstieg in das Projekt haben wir mit den Kindern gemeinsam philosophiert und in Erfahrung gebracht, was sie schon über Hühner wissen, was sie gern über Hühner erfahren wollen bzw. was sie glauben, wie wir uns um die Tiere kümmern sollten.

Einige Fragen der Kinder:

  • Haben Hühner Zähne und bekommen sie auch einen Wackelzahn?
  • Warum geht das Ei nicht kaputt, wenn sich das Huhn darauf setzt?
  • Wann fühlen sich Hühner wohl?
  • Können Hühner klettern?
  • Was für Spitze „Dinger“ haben sie an den Füßen?

Was wussten die Kinder u.a. schon?

  • Hühner fressen Körner, Mais, Gemüse, Würmer, Gras
  • Sie picken ihre Nahrung mit dem Schnabel – aber sie picken sich auch gegenseitig, wenn sie Streit miteinander haben
  • Die Küken können nach dem Brüten schlüpfen, wenn sie genug Wärme bekommen haben
  • Die Menschen brauchen Eier zum Essen.
  • Der Mensch muss die Hühner füttern, ihren Stall ausmisten, ihnen Wasser geben und alles sauber halten.
  • Hühner brauchen einen Zaun, damit sie nicht fortlaufen und einen Schutz vor dem Fuchs.


Wir waren nach dem Philosophieren sehr beeindruckt, wie groß das Wissen vieler Kinder über Hühner war und mit wieviel Freude und Enthusiasmus sie erzählt und nachgefragt haben.

Täglich haben wir uns mit allen Kindern in der Halle des Elementarbereiches zum gemeinsamen Morgenkreis getroffen. Damit die Kinder schnell in das Projekt hineinfinden konnten, haben wir die Halle der Kita in einen Hühnerstall mit Hühnerleiter, Futtertrog, Nestern usw. umgestaltet. Darin wohnte „Henne Berta“ - eine Handpuppe - welche die Kinder täglich begrüßte und uns die gesamte Projektzeit über begleitet hat. Berta war sehr schnelle sehr beliebt bei den Kindern. Ihr fröhliches Gackern war gerade morgens sehr anregend.
Mittels einer selbstgeschriebenen Bewegungsgeschichte, die wir jeden Morgen vorgelesen und nachgespielt haben, konnten wir den Kindern den Tagesablauf eines Huhnes sehr gut näherbringen.

Die selbstgeschriebene Bewegungsgeschichte einer Erzieherin:
Morgens, wenn die ersten Sonnenstrahlen in den Stall scheinen, erwacht die Henne langsam. Sie öffnet nach und nach die Augen, setzt sich auf der Stange gemütlich hin und reckt und streckt sich. Als erstes wackelt sie mit ihren Flügeln, dann schüttelt sie ihre Beine aus und kreist ihren Kopf. Wenn sie wach und fit ist, geht sie auf Futtersuche. Sie scharrt mit ihren Füßen über dem Boden, bis die die oberste Schicht gelockert hat. Jetzt pickt sie mit ihrem Schnabel nach Körnern und Würmern.

Nun ist sie endlich satt und überlegt sich, wo wohl die schönste Stelle ist, um sich ein Nest zu bauen. Sie macht ihren Kopf ganz lang und schließlich findet sie eine schöne Stelle. Sie setzt sich nieder, wackelt noch einmal mit dem Po, damit eine kleine Kuhle entsteht und legt dort ihr Ei ab.

Jetzt ist sie bereit, sich um ihre Körperpflege zu kümmern. Wieder reckt und streckt sie sich und sucht nach einer geeigneten Stelle mit Sand. Da legt sie sich hinein und räkelt sich genüsslich mit ihrem ganzen Körper und wirft sich auch Sand zwischen ihre Federn.
Die Sonne steht inzwischen hoch am Himmel und es ist warm geworden. Die Henne legt sich gemütlich in die Wärme. Auf jeder einzelnen Feder merkt sie, wie sich die Sonnenstrahlen darauf ausbreiten.

Nun wandert die Sonne weiter und der Tag geht langsam zu Ende. Die Henne nimmt jetzt ein leckeres Abendbrot zu sich. Sie pickt mit ihrem Schnabel in der Erde und scharrt mit ihren Füßen. Der Bauch ist nun gut gefüllt und die Henne geht langsam in ihren Stall, sucht sich eine schöne Stelle, um sich schlafen zu legen. Ganz eng legt sie ihre Federn an und schließt mit dem letzten Sonnenstrahl ihre Augen.

Täglich haben wir mit den Kindern, nach dem Vorlesen dieser Geschichte, einen weiteren Punkt des Tagesablaufes – 1.Aufstehen/Morgenyoga – 2.Putzen – 3.Nestsuche – 4.Sonnen- und Sandbaden – 5.Nachtruhe – 6.Futtersuche den ganzen Tag über - besprochen und später in den jeweiligen Gruppen vertieft. Somit hatten alle Kinder zu Beginn des Tages den gleichen Ausgangspunkt und konnten dann individuell in den Gruppen ihren Fragen nachgehen und Inhalte weiterbearbeiten.
Durch das Auseinandersetzten mit diesen einzelnen Punkten, haben die Kinder sehr viel über das Leben der Hühner, ihr Verhalten und ihre Haltung erfahren.

Nun waren wir sehr gut auf den Tag vorbereitet, als endlich unsere 5 Hühner mit ihrem Zaun und ihrem Hühnerstall angekommen sind. (über „mieteeinhuhn.de“ sind die Tiere zu uns gebracht worden) Dies war für alle sehr, sehr aufregend. Denn jetzt waren sie wirklich da.
Aber wie konnten wir nun die Hühner gut versorgen? Wiederrum im Morgenkreis haben wir täglich einen „Hühnerdienst“ benannt, welcher die Hühner versorgen konnte. Darüber haben wir sehr akribisch Buch geführt, damit jedes Kind die gleichen Chancen bekommen hat. Denn am liebsten wollten die Kinder jeden Tag „Hühnerdienst“ sein. Täglich konnten pro Aufgabe 2 Kinder wählen zwischen: Körner geben, Wasser geben, Eier einsammeln und den Stall ausmisten. Weitere 3 Kinder hatten sollten immer wieder einmal nachschauen, ob es den Hühner auch wirklich gut geht. Für diesen Punkt haben 2 Elementarkinder 1 Krippenkind abgeholt und sind dann mit dem „Kleinen“ an der Hand, gemeinsam zu den Hühnern gegangen.

Für die Wochenenden konnten wir Eltern gewinnen, welche mit ihren Kindern in die Kita gegangen sind und die Hühner versorgt haben. Es gab eine große Bereitschaft bei den Familien, uns zu unterstützen und damit Teil unseres Projektes zu sein.
Es war uns sehr wichtig, den Kindern innerhalb der Projektzeit vielfältige Lernzugänge und umfassende Lerninhalte zu ermöglichen. Für uns als Kita, die sich auf den Weg gemacht hat, Bildung für nachhaltige Entwicklung zu leben, gab es damit unterschiedlichste Blickwinkel beim Herangehen an unsere Arbeit. Unser Anliegen, die Kinder für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen, mit der Natur und Umwelt zu sensibilisieren, konnte durch den direkten Kontakt zu den Tieren und den dabei gewonnen Erfahrungen wunderbar weiterverfolgt werden.

Wenn Kinder die Möglichkeit haben sich um ein Tier zu kümmern und dieses täglich zu beobachten, entsteht dadurch fast von allein ein Verantwortungsbewusstsein für das Tier. So haben die Kinder z.B. sehr gut sehen können, wenn sich die Hühner mittags hingelegt haben und Ruhe brauchten. Sie konnten so von allein eine Verknüpfung herstellen und ihr Verhalten entsprechend anpassen. Die meisten Kinder waren dann wirklich ruhig und leise. Auch das Sandbaden konnten die Kinder vielmals beobachten und haben dadurch sehr darauf geachtet, dass immer genügend sauberer Sand da war. Viel Spaß hatten sie beim Nachahmen der Bewegungen der Hühner. Beim Versorgen der Tiere bedarf es allerlei motorischer Fertigkeiten. Das Futter muss in den Napf geschüttet und das Wasser mit einer Gießkanne in die Hühnertränke gefüllt werden. Auch beim Streicheln oder Anfassen der Hühner muss mit großer Vorsicht agiert werden. Die Kinder konnten sehr genau auf die Signale achten, die das Tier aussendet. Da Hühner Fluchttiere sind und mit Angst auf hektische Bewegungen oder lautes Geschrei reagieren, müssen sich die Kinder entsprechend leise und langsam verhalten, um nah an ein Huhn heran zu kommen, es anzufassen oder zu streicheln. So üben sie sich ganz selbstverständlich in der Fremd- und Selbstwahrnehmung und verfeinern ihre Grob- und Feinmotorik.

Hühner werden in unserer Gesellschaft meist als Nutztiere gehalten. Die Kinder konnten durch unsere Tiere einen direkten Bezug zu Eiern und zum Fleisch herstellen. Aber nicht überall geht es den Hühnern so gut, wie bei uns in der Kita. Wir haben mit den Kindern über die unterschiedlichen Haltungsformen und ihre Unterschiede gesprochen. Dafür haben wir den Kindern mit Seilen ein Stück Wiese umrandet und aufgezeigt, wieviel 4qm Fläche ist, die einem Huhn in Freilandhaltung zur Verfügung steht. Für die Bodenhaltung haben wir 3 DIN A4 Seiten Papier aneinander gelegt, was dem Platz pro Huhn in dieser Haltungsform entspricht. Bei einer Kleingruppenhaltung stehen den Hühnern nur noch 1,5 DIN A4 Seite zur Verfügung. Dies selbst zu erfahren und zu sehen, war für die Kinder sehr eindrücklich. Sie konnten eigene Schlussfolgerungen ziehen, worauf man beim Kauf von Eiern oder Fleisch achten sollte.

Passend dazu haben wir mit den Vorschulkindern den Stempel auf dem Ei „gelesen“, um auch darüber den Bezug zu den unterschiedlichen Haltungsformen herzustellen.

Weiterhin haben wir uns gemeinsam mit den Kindern Wissen über die Anatomie des Huhnes, über unterschiedliche Rassen und über den Aufbau und den Nutzen von Federn erarbeitet. Die Kinder haben erfahren, wie ein Ei aufgebaut ist und wie es im Bauch der Henne entsteht. Unsere Hühner entstammten nicht alle derselben Rasse. Damit sahen sie nicht nur unterschiedlich aus, sondern sie haben auch unterschiedlich farbige Eier gelegt.

Darüber hinaus haben wir den Hühnerwagen in unserem Dorf besucht, unterschiedlichste Gerichte mit Eiern zubereitet und uns verschiedene Zubereitungsarten mit Eiern schmecken lassen. Durch all diesen Aktionen konnten wir alle (Kinder und Mitarbeiterinnen) sehr viele neue Erfahrungen sammeln, unser Wissen erweitern und Sichtweisen verändern. Die coolste Erkenntnis aber für die Kinder war: das Huhn stammt von den Dinosauriern ab.

Abschließend können wir sagen, es war ein tolles Projekt, eine sehr intensive Zeit, die uns auf unterschiedlichste Art und Weisen gefordert, uns aber auch sehr viel gegeben hat.

Vielen Dank unserem Sterntaler für diese Idee, die Organisation und finanzielle Unterstützung.

Antje Aderhold und das Team der Kita „Sonnenblume“

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