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Ich habe mir überlegt, für den Artikel der Dorfzeitung nichts „Neues“ zu schreiben, sondern dafür unseren aktuellen Brief an die Eltern der Kita zu verwenden. Dieser informiert sehr genau über unser gerade begonnenes Projekt, verdeutlicht unsere Herangehensweise, Gedanken und Ideen. Ich kann mir vorstellen, dass es für Sie als Leser*innen interessant sein kann, die Thematik „Energie“ einmal mit unserer „Brille“ zu betrachten.
Liebe Eltern,
bestimmt haben Ihnen Ihre Kinder schon von unserem neuen Projekt berichtet, Ihnen ihre neuen „Ausweise“ gezeigt oder Sie selbst haben in der Kita viele Zettelchen an Lichtschaltern, Steckdosen usw. entdeckt.
Wir sind vergangene Woche mit allen Kindern unserer Kita in unser neues, gemeinsames Projekt zum Thema „Energie“ eingestiegen.
Um die Kinder an das Thema „Energie“ heranzuführen, haben wir als ersten Schritt im Morgenkreis die Methodik des gemeinsamen Philosophierens anhand beispielhafter Gegenstände gewählt. In der Mitte des Kreises lagen viele unterschiedliche Gegenstände wie z.B. Mixer, Fön, Telefon, CD-Player, Thermometer, Spielzeug mit integriertem Licht, Glühbirne, Steckdose und Ladekabel. Nachdem die Kinder uns beschrieben haben, welche Gegenstände sie kennen, haben wir sie mit folgenden Fragen zum Nachdenken angeregt:
Relativ schnell erfolgten Aussagen wie:
Beim Philosophieren gibt es kein „Richtig“ oder „Falsch“. Jede Perspektive hat ihre Berechtigung. Es geht dabei eher um gemeinsamen Austausch, kreatives Denken, das Finden möglicher Antworten und darum, mutig zu sein oder mutiger zu werden und seine eigenen Ansichten zu äußern.
Kinder brauchen dabei begleitende Fachkräfte, die ihnen zu hören, ihre Fragen bzw. Ansichten aufnehmen, um sie auf der Suche nach eigenen Zusammenhängen, Begründungen und Schlussfolgerungen zu unterstützen. Diese Einstellung zu den Kindern ist uns sehr, sehr wichtig.
Um den Kindern weitere Gesprächsmöglichkeiten zu bieten und sich im Philosophieren zu üben, haben wir genau die gleiche Philosophierunde wiederholt, dieses Mal jedoch in 3 Gruppe, die wir je nach Alter unterteilt haben.
Im nächsten Schritt wurde mit jedem Kind ein Ausweis mit Bild und Unterschrift angefertigt. Damit sind sie alle zu echten „Energiedetektiven“ geworden, die sich nun auf die Suche nach Energie, Strom und elektrischen Geräten begeben haben. Alles was für die Kinder mit Strom/Energie zu tun hat, wurde mit einem kleinen Bildchen – einem „Energiefresser“ – gekennzeichnet.
Dies ist eine sehr aktive Anfangsmethode mit hohem Spaßfaktor, um die Entwicklung eines Bewusstseins zu ermöglichen, wie viele elektrische Geräte Energie benötigen und wie wichtig damit Energie für das Funktionieren unseres Alltages ist.
Damit die Kinder auch eine Verknüpfung in ihr häusliches Umfeld herstellen können, wollen wir die kleinen „Energiefresser“ mit nach Hause geben. Dort können die Kinder ebenfalls elektrische Geräte und alles, was mit Strom zu tun hat, kennzeichnen. Begleiten Sie gern Ihre Kinder dabei und kommen mit ihnen in einen gemeinsamen Austausch. Vielleicht erforschen Sie, wie oft welche Geräte benötigt werden oder tauschen sich zu Fragen aus, die in diesem Moment bei Ihren Kindern entstehen.
In dieser Woche beginnen wir mit den Kindern zu differenzieren, wo und wofür genau elektrische Energie für den Alltag benötigt wird. Ein Stromtagebuch kann verdeutlichen, wie oft benutzen wir den Lichtschalter, den CD-Player, den Herd usw.
Wir haben uns zum Ziel gesetzt, uns innerhalb der Projektzeit mit Fragen auseinanderzusetzen, wie z.B.:
Das Thema Energie hat viele Facetten. Ohne Energie gäbe es kein Licht, keine Bewegung, kein Geräusch, keine Wärme, keine Veränderung – kein Leben. Denn – Energie ist überall.
Wohin uns die Reise mit ihren Kindern führt, welche Interessen sie entwickeln, was sie begeistert, womit sie sich beschäftigen wollen, werden wir durch viele Aktionen, pädagogische Angebote, Gespräche und philosophische Runden herausfinden und damit gemeinsam das Projekt gestalten.
Dabei geht es uns nicht darum, komplexe Sachverhalte, schwierige Zusammenhänge und pures Wissen zu vermitteln. Das eigene Erleben und praktische Lernen stehen dabei an erster Stelle, um darüber den Kindern ein positives Bild von der Welt als Grundlage für zukunftsfähiges Denken und Handeln mitzugeben. Dies kann nur gelingen, wenn wir die Kinder ernst nehmen, sie in die Planung und Durchführung mit einbeziehen und vor allem ihre kindliche Neugier und ihren Entdeckungsdrang nutzen.
Natürlich kann man die Kinder durch das Akzeptieren von auferlegten Regeln dazu bringen, das Licht auszumachen oder den Wasserhahn abzudrehen. Aber nachhaltiges Handeln entsteht nur über ein Bildungsverständnis, das auf Selbständigkeit, Selbstbestimmung und pädagogische Angebote ausgerichtet ist. Daher sind wir sehr gespannt, ob es uns durch unser Projekt gelingt, dass die Kinder aus eigenem Antrieb und innerer Motivation heraus das Licht löschen, wenn sie z.B. aus dem Waschraum kommen.
Seit letzter Woche agieren unsere Kinder nun als Energiedetektive und wir wollen diese Begrifflichkeit innerhalb des Projektes auch weiterverwenden, diese jedoch auf ein wunderbares Buch mit dem Titel „Ein Königreich für die Zukunft – Energie erleben im Kindergartenjahr“ übertragen. In unserem weiteren Vorgehen werden wir uns an diesem Buch orientieren, um die Kinder in fantasievoller und spielerischer Art und Weise an das Thema Energie heranzuführen.
Dieser eben beschriebene Einstieg ins Projekt erläutert die Herangehensweise im Elementarbereich.
Selbstverständlich wollen wir auch mit unseren Kleinsten, den Krippenkindern, an diesem Thema arbeiten, Strom/Energie für sie erlebbar und im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar machen. Natürlich bedarf es in dieser Altersgruppe eines etwas anderen Herangehens. So haben sich die Krippis in den vergangenen Wochen mit Sonne, Regen, Wind und Schnee, also dem Wetter beschäftigt. All diese Wetterphänomene stecken voller Energie und waren ein guter Wegbereiter für das neue Projekt. In der Krippe ist für uns das Visualisieren von Dingen ein wichtiger methodischer Baustein, um Energie zu verdeutlichen. Als Einstieg haben die Kleinen mittels des Aufbaues eines Schaltkreises aus einem Elektrobaukasten erfahren können, was passiert mit einer kleinen Lampe, wenn man einen Schalter an und wieder ausmacht. In diesem Moment waren der Aha Effekt und der Spaß natürlich riesengroß. Auch die Krippenkinder wollen sich in ihren Räumlichkeiten auf die Suche nach elektrischen Geräten machen und herausfinden, wo es überall Strom gibt bzw. dieser genutzt wird. Die Fachkräfte in der Krippe haben sich im Vorweg einen möglichen Fahrplan überlegt, wie sie die Thematik weiter gestalten und vertiefen wollen. Mögliche Inhalte könnten sein:
Anders als im Elementarbereich können wir mit den kleineren Kindern auf sprachlicher Ebene nicht so intensiv miteinander agieren. Sehr genaues Beobachten der Kinder ist Voraussetzung, um die Ideen und Interessen der Kinder zu erkennen, diese dann im weiteren Vorgehen aufzugreifen und durch entsprechende pädagogische Angebote erlebbar zu machen. (Basteln von Windrädern, Erstellen von Collagen, Spaziergänge…) Wenn es möglich und sinnvoll ist, werden sich die Krippenkinder an Aktionen des Elementarbereiches beteiligen und gemeinsam mit den Großen aktiv sein.
Einige von Ihnen werden sich nun fragen, warum wir uns für dieses Projekt entschieden haben. Dafür gibt es vielschichtige Gründe:
Vor dem Projektstart haben wir uns im Team intensiv mit der Thematik „Energie“ auseinandergesetzt. Jede Fachkraft hatte dabei einen anderen, eigenen Ausgangspunkt. Gerade diese Unterschiedlichkeit aber hat uns vorangebracht und geholfen, die Komplexität des Themas aufzulösen und gemeinsame Nenner und Anknüpfungspunkte zu finden.
Am Ende haben wir eine Mind Map als Grundlage für unser Arbeiten entwickelt. Diese finden Sie als Anhang in der Mail. Vielleicht nutzen Sie unsere erarbeiteten Sichtweisen als Ausgangspunkt, um sich der Thematik „Energie“ auf einem anderen Weg, als nur über den Frust der gestiegenen Energiepreise, den wir sicher alle empfinden, zu nähern. Dies ist überhaupt nicht wertend oder mit erhobenem Zeigefinger gemeint. Sie als Familien haben alle unterschiedlichen Sichtweisen bzw. Prioritäten und das ist gut so. Aber vielleicht ändert sich der eine oder andere Blickwinkel und eröffnet neue Sichtweisen. Bildung für nachhaltige Entwicklung kann nur im Miteinander gelingen. Es wäre schön, wenn Sie unsere Themen im familiären Umfeld aufgreifen und mitgestalten. Vieles von dem, was wir mit Ihren Kindern erarbeiten werden, stellen wir in der Halle des Elementarbereiches und im Krippeneingang aus. Diese Transparenz informiert Sie über den Fortgang des Projektes und kann helfen, die entsprechenden Themen zu Hause weiterzuführen.
Ein zweiter Eckpfeiler unserer Vorbereitung auf das Projekt war eine Fortbildung von 4 Mitarbeiterinnen bei der S.O.F. Umweltstiftung, um unser Wissen über nachhaltige Bildung und Entwicklung zu vertiefen und weitere Impulse für unsere Arbeit zu erhalten. In den vergangenen Jahren vor der Durchführung der ersten nachhaltigen Projekte haben ebenfalls schon 2 Fachkräfte das Angebot der Umweltstiftung genutzt. Es ist unser Ziel, dass in naher Zukunft das gesamte Team diese Qualifikation erwirbt.
Wir sind sehr gespannt, wohin uns der Weg führen wird, was wir alles mit Ihren Kindern erforschen und erleben werden.
Wenn Sie Ideen und Anregungen für uns haben oder jemanden kennen, der uns unterstützen kann, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit damit bereichern würden.
Durch die Veröffentlichung unseres Elternbriefes in der Dorfzeitung erreichen wir nun nicht nur unsere Elternschaft, sondern sehr viel mehr Menschen unseres Dorfes.
Wenn auch Sie Idee oder Anregungen für unser Projekt haben, freuen wir uns über ein Mail, einen Anruf oder kommen Sie gern in der Kita vorbei. Bildung für nachhaltige Entwicklung bedeutet eben auch, über die Kitagrenzen hinaus zu agieren und das Umfeld mit einzubeziehen.
Antje Aderhold und das Team der Kita Sonnenblume
| Montag | 9.00 - 12.00 und 14.00 - 18.00 Uhr |
| Dienstag | 9.00 - 12.00 Uhr |
| Mittwoch | geschlossen |
| Donnerstag | 7.00 - 12.00 Uhr |
| Freitag | 9.00 - 12.00 Uhr* |
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