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Der Abschluss des Jubiläumsjahres 675 Jahre Kröppelshagen wurde im Gemeindehaus gefeiert. Herr Bürgermeister Volker Merkel eröffnete die feierliche Veranstaltung mit der unten aufgeführten Rede. Herr Dr. Boehart (Amtsarchivar) und Herr Knust (Heimatbund und Geschichtsverein Herzogtum Lauenburg e.V., Bezirksgruppe Geesthacht) machten Appetit auf die neue Heimatchronik, die im Jahr 2011 erscheinen soll. Auf Wänden und Schautafeln mit Bildern und Plakaten sowie auf einer Leinwand, auf der digitalisierten Aufnahmen zu sehen waren, konnte das Leben im Dorf von gestern bis heute nachvollzogen werden.
Bei der Spendensammlung für die Neugestaltung des Ehrenmals und die Sanierung des Sportplatzes kamen 289,64 € zusammen. Vielen Dank an alle großzügigen Spender!
Es folgt die Rede von Herrn Bürgermeister Volker Merkel:
Guten Tag meine sehr verehrten Damen und Herren!
Liebe Kröppelshagen-Fahrendorfer!!
Lieber Herr Dr.Boehart, lieber Helmut!
Im Namen der GV möchte ich Sie an diesem Adventsnachmittag ganz, ganz herzlich begrüßen und willkommen heißen. Gleichzeitig möchte ich heute, am Tag des Ehrenamtes, auch und in besonderer Weise, alle Ehrenamtler besonders begrüßen und mich ganz herzlich für Euer großes Engagement für die Gemeinde insgesamt bedanken!!! Danke!
Meine lieben Gäste, auf der einen Seite freuen wir uns riesig, dass so viele unserer Einladung gefolgt sind, aber auf der anderen Seite sind wir schon ein wenig traurig, dass das Geburtstagsjahr der Gemeinde heute seinen Ausklang findet.
Am 06. Dez. 2009, am Nikolaustag, feierten wir das 675-jährige Bestehen mit geladenen Gästen und abends mit allen Bürgerinnen und Bürgern. Heute am 05.Dez. möchten wir den Abschluss dieses denkwürdigen Jahres von Anfang an mit Allen feiern. Das sind wir Ihnen, liebe Kröppelshagen-Fahrendorfer schuldig!
Wir haben lange überlegt, wie wir diesen Nachmittag gestalten sollen. Das wiederum war schnell klar, es geht ja um unsere Geschichte, aber eben auch um unsere Kosten dafür. Die Aufstellung des Haushaltes für das nächste Jahr gestaltete sich in den letzten Wochen, wie bereits erwartet, als äußerst schwierig, aber durchaus auch als machbar. Da wir aber auch zwei wichtige Projekte schnellstens realisieren möchten und sie uns alle angehen, hat eine Fraktion der Gemeinde den Vorschlag gemacht, dass wir heute damit beginnen sollten, Sponsoren für diese Projekte zu gewinnen. Wir möchten, das für uns wichtige Ehrenmal umgestalten (Kosten ca. 8.000€) und wir möchten unseren Sportplatz "sanieren" und gegen fremde Eindringlinge (z.B. Wildschweine) schützen. Freundlicherweise haben uns die Sportler, nach der letzten Attacke der Wildschweine und Maulwürfe, mit Harken, Schaufeln und Spaten bereits unterstützt und das gröbste Unheil abgewendet. Leider, meine Damen und Herren, reicht das aber nicht für die Zukunft!
Wir haben nun folgenden Beschluss gefasst: Die Getränke kosten heute alle mindestens 1,00€ (gerne auch mehr!) und die wandern dann in unseren großen Spartopf (Sparschwein), eben für diese Projekte. Sie können das Geld direkt am Tresen oder auch direkt in das Sparschwein geben. Für die Kinder sind die Getränke natürlich frei! Schon jetzt bedanken wir uns für Ihre Spendenfreudigkeit!
Liebe Gäste, vor einem Jahr war für uns die Schulwelt noch in Ordnung. Wir planten mit Wentorf zusammen eine neue Grundschule und eine 2 Feldturnhalle. Die finanzielle Entwicklung, aber auch die freie Schulwahl nahm eine dramatisch für uns schlechte Entwicklung. Heute nun stehen wir vor dem Scherbenhaufen und müssen unsere Wünsche, den Schulverband zu erhalten, wohl begraben. Unsere Vorschläge, den Schulverband durch eine für uns finanziell machbare Schulverbandsumlage zu erhalten, wurde von Seiten der fünf Fraktionen aus Wentorf nicht entsprochen, ja nicht einmal diskutiert! Der Schulverband wird wahrscheinlich zum 31.12.2010 aufgelöst!
Das wiederrum, meine Damen und Herren, brachte mich auf die Idee, und das passt heute besonders gut, einmal in unsere Kröppelshagener Schulgeschichte einzusteigen. Bitte folgen Sie mit mir nun gedanklich in das Jahr 1585. Sind Sie so weit? Gut!
Am Anfang unserer Aufzeichnungen hatte sich die Kirche des Schulwesens angenommen. Die Lauenburgische Kirchenordnung hatte 1585 angeordnet Schulen für Mädchen und Jungen einzurichten. Diese Umsetzung dauerte aber sehr lange. 1683 beklagte sich der Küster-gleichzeitig Lehrer-von Brunstorf, dass die Eltern anfangs die Kinder zwar geschickt hätten, sie aber "nunmehr gar nicht mehr zur Schule kämen"! Woran lag das? Das Schulgeld kostete je Woche 1 Schilling und das konnten sich die meisten eben nicht leisten. Außerdem wurden die Kinder nur im Winter zur Schule geschickt, da sie in der übrigen Jahreszeit zum Viehhüten gebraucht wurden. In der heutigen Zeit unvorstellbar. Aber nun weiter!
1744 fanden wir im Kirchenbuch einen Vermerk: Kröppelshagen schickt gar keine Kinder in die Schule, es müßten aber wohl 24 sein!
Am 04.Dez. 1751 berichtete ein Pastor, dass er die Schule in Kröppelshagen, die damals bereits vorhanden war, nicht visitieren könne, da die Bauern keine Pferdegespanne für die Anreise zur Verfügung stellten. "Welch ein Skandal", würden wir heute sagen, meine Damen und Herren!
1754 schreibt Joachim Peter Riebe, Schulmeister in unserem Dorf, über die schlechte Beschaffenheit seiner Wohnung, worin auch die Kinder beschult wurden. Er bittet um Vergrößerung. Leider vergebens!
Erst 1795 erfolgte dann ein Neubau in dem 8 Kinder in einer 16qm großen Schulstube am Unterricht teilnahmen. Eine tolle Entwicklung!
Liebe Gäste, verzeihen Sie mir die großen Zeitsprünge, aber wenn ich noch tiefer in unsere Schulgeschichte eintauche, dann stehe ich noch Stunden hier und Sie würden vielleicht die Lust verlieren mir zu folgen.
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts besuchten beim Lehrer Hamester 30 Kinder die Schule. Ein richtiger Aufschwung wie ich denke.
1835 wurde das häufige Ausbleiben des Lehrers Hamester beklagt mit der Entschuldigung einer Altersschwäche und Gebrechlichkeit. Sein Sohn wurde eingesetzt und eine planmäßige Ausbildung der Lehrer hatte begonnen. Ein neues Zeitalter! 50 Kinder besuchten die zu klein gewordene Schule, die nun als gesetzwidrig eingestuft wurde. Was also blieb übrig, als die Schulestube nun auf 39 qm zu erweitern. Leider blieb der Lehrer Hamester junior nicht lange, es wurde sein Nachfolger Koop eingesetzt. Dieser verstarb aber schnell an Schwindsucht.
1845 folgte dann ein neuer, der ebenfalls Koop hieß. Dessen Nachfolger Pegel wies damals die Gemeinde auf die Genehmigung für einen Neubau hin. Lt. Aufzeichnung hatte die Gemeinde aber keine Zeit dafür, weil die Dorfschaft Steine für die Chaussee verkauft hatte und sie liefern mußten. Naja!
1865, dann endlich, wurde eine neue Schule, die letzte in Kröppelshagen, gebaut. Dem damaligen Lehrer Brandt haben wir übrigens die Schulchronik zu verdanken!
1889 stieg die Schülerzahl auf 58 Kinder, 1891 auf 62 Kinder! Im gleichen Jahr wurde auch eine Schülerbibliothek eingerichtet. Die Gemeinde war damals spendabel und bewilligte dafür 30 Mark, so heißt es! 1892 dann besuchten bereits 67 Kinder den Unterricht, vielleicht lag der Aufschwung ja an der Bücherei?
1896 verließ uns der Lehrer Brandt und es folgte Lehrer Kähler. Sein Nachfolger hieß Emil Duborg, allen sicherlich heute wohlbekannt! Er blieb bis 1939 . Bereits im Jahr 1922 war er maßgeblich an der Errichtung des Ehrenmnals für gefallene Krieger beteiligt. Auch er sammelte dafür Gelder, weil die Gemeinde dies aus eigener Kraft nicht schaffte. Also schon damals waren offensichtlich die Kassen leer! Über Emil Duborg, meine Damen und Herren, wird in unserer Neuen Chronik viel berichtet, aber auch, wie Sie alle wissen, bereits in der alten. Die Schaffenskraft von Emil Duborg war und ist bis zum heutigen Tage unermesslich wichtig für unsere Geschichte! Als Heimatdichter war er im ganzen Land bekannt und Zeitzeugen können noch heute z. B. über das häufige Steinesammeln auf unseren Feldern sicherlich viel berichten. 1954 wurde er der erste und einzige Ehrenbürger unserer Gemeinde.
1939 folgte Lehrer Emil Duwe der 52 Schüler unterrichtete.
Dannach verlieren sich leider, wegen des 2. Weltkrieges, brauchbare Aufzeichnungen. Einem Franz Krüger folgte schließlich Lehrer Horn, dem dann ein Fräulein Strutz im Jahr 1946 folgte. Ihr wiederum folgte Lehrer Ernst Viergutz der sage und schreibe 96 Kinder, darunter viele Flüchtlinge, beschulen mußte. 1947 hatte die Schülerzahl ihren höchsten Stand erreicht, es waren 106 Kinder, die von 2 Lehrern (zusätzlich Lehrer Fritz Kuhn) unterrichtet wurden.
1953, liebe Gäste, kam dann Lehrer Albin Voigt, er zeichnete liebevoll die Ehrenbürgerurkunde für Emil Duborg!
1961 kam dann wahrscheinlich der letzte Lehrer der in Kröppelshagen unterrichtete an die Schule. Er blieb bis 1969.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, nun schließt sich langsam der geschichtliche Kreis, schon Albin Voigt hatte damals eine Dörfergemeinschaftsschule mit besseren Bildungsmöglichkeiten gefordert. Sein Wunsch wurde 1969 erfüllt, der Schulverband mit Wentorf wurde gegründet. 1972 wurde dann leider das alte Schulhaus abgerissen.
Liebe Gäste, unverkennbar hat unsere Schulgeschichte eine bewegte Vergangenheit mit vielen Höhen und Tiefen. Lehrer Kähler prägte einst im Jahr 1900 einen Satz, als die damalige Schule abgerissen werden sollte, der auch heute noch seine Gültigkeit hat: "Mit dem alten Schulhaus ist ein Stück Geschichte der hiesigen Schule ins Grab gesunken!" Dies wiederholte sich, meine Damen und Herren, dann tatsächlich im Jahr 1972 und letztendlich nun wohl auch in diesem Jahr.
Die Geschichte Kröppelshagen-Fahrendorf, meine Damen und Herren, wird aber weiter geschrieben und ich bin der festen Überzeugung, dass irgendwann unsere Nachfolger dies in besonderer Weise würdigen werden und froh darüber sind, die vorgefundenen Aufzeichnungen auch für ihre Nachfolger fortschreiben zu können.
Ich wünsche Ihnen nun noch angenehme Stunden mit uns und bedanke mich ganz, ganz herzlich für Ihre/Eure Aufmerksamkeit.
Vielen Dank!!
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